Erfahrungen dm-Drogeriemarkt: Einarbeitung, Konsultation, Azubiverantwortung

Ein Freund von mir hat neu bei dm-Drogeriemarkt angefangen und war so freundlich auf Nachfragen seine Erfahrungen mit mir zu teilen, die ich gerne hier weitergebe:

Prinzip LIDA – Lernen in der Arbeit. Mein Freund hatte als erste Aufgabe ein Regal in einer Filiale neu einzurichten. Ihm wurde gesagt, er solle doch bitte erstmal selbst alles versuchen, er finde wichtige Informationen am Rechner und Intranet. Auch hier solle er erstmal versuchen sich selbst durchzufinden. Er fand nach etwas Suchen und Recherche passende Unterlagen und fing an das Regal umzuorganisieren. Irgendwie klappte es aber noch nicht so recht und er holte darauf hin den Kollegen. Dieser fragte erstmal wie er den genau vorgegangen sei und stellte dabei auch immer wieder Fragen wie z.B. was er denkt, woran es liegen könnte das es noch nicht so richtig geklappt hat.

Konsultationsprinzipen:
Mein Freund wurde gefragt, ob er nicht die Beobachter-Rolle für eine Mitarbeiterversammlung übernehmen wolle. Hintergrund war der, das in einer anderen Filialie eine Mitarbeiterversammlung geplant war. Prinzip bei dm ist es hierbei (wenn gewünscht) einen - bezogen auf die Filiale - Außenstehenden als Beobachter hinzuzuziehen. Mein Freund nahm dann als Beobachter an der Versammlung teil, d.h. er saß dabei und am Ende teilte er dem Filialeiter im Zweiergespräch mit was er wahrgenommen hat. Aus meiner Sicht ein tolles Prinzip.

Azubiverantwortung
Er berichtete auch von folgender Aktion der Auszubildenden (diese heißen bei dm Lernlinge) Im laufe der Ausbildung bei dm wird in einer Aktion eine Filiale temporär nur mit Azubis bestückt. Diese haben dann die Aufgabe komplett die Filiale zu managen. Hierbei rotieren die Funktionen d.h. am ersten Tag ist Azubi 1 Filialeiter, ein anderer macht Kasse usw. Am nächsten Tag wird dann getauscht. In dieser Phase hat das Azubi Team auch die Möglichkeit besondere Aktionen in der Filiale durchzuführen. So hatte eines der letzten Teams z.B. folgende Aktion durchgeführt: An einem Samstag gingen die Einnahmen für einen Vormittag komplett an das kirchliche Kinderheim in der Region. Die Kasse übernahm in dieser Zeit der zuständige Pfarrer. Die Aktion war ein großer Erfolg, die Kunden standen bis auf die Straße an um teilzunehmen und die lokale Presse berichtete davon. Es wurde für diesen Tag Rekordumsätze für diese Filiale gefahren und es kam somit eine schöne Spendensumme zustande.

Comments

Niels Pflaeging's picture

dm-Drogeriemarkt: Fallbeispiel und Methoden

Lieber Christopher,
Schönes Posting von dir. Ich finde diese drei Praktiken sehr vielsagend und finde auch schön, dass du die zweite Methode (Beobachterrolle bei der Mitarbeiterversammlung) auch gleich als eine konsultative Praxis identifiziert hast. Ich persönlich finde es schon aufregend, wie vielfältig die Methoden und Praktiken sind, derer sich eingespielte Beta-Organisationen wie DM oder Toyota oder Southwest oder Semco bedienen. Man hat den Eindruck, dort werden auch Kleinigkeiten oder auch "schräge" Praktiken wie Azubiverantwortung bei DM oder die Jobrotation bei Southwest mit wahnsinnig viel Bewusstsein durchdacht und durchgeführt. Alpha-Unternehmen stecken so viel Energie in Formalstrukturen, Bürokratie, "Standards" und Kontrolle. Hier kann man sehr gut sehen, wo diese Energie (viel produktiver) hingeführt werden kann, wenn man auf Alpha-Praktiken verzichtet und dafür Beta-Praktiken entwickelt.
Gruss, Niels