[DE] Neujahrsgedanken zu Systemen, Veränderung und Quacksalberei

Liebe Beta-Kodex-Community,

2009 ist vorbei und ein neues Jahr geht los - ohlalá!
Angeregt durch eine Diskussion auf Xing möchte ich an dieser Stelle einige kurze "Thesen" oder "Diskussionspunkte" - lose zusammenhängend, oder auch nicht - zum Thema Beta-Kodex-Transformation darlegen. Ich freue mich auf Feedback, Einwände, Zustimmung, Gegenrede und Meinungen!

Thesen zu Systemen, Veränderung... und Quacksalberei!

- SYSTEMDENKEN: Organisationen im 21. Jahrhundert brauchen bzw. bräuchten ein systemisches Organisationsmodell. Haben sie aber nicht. Sie haben MECHANISTISCHE Modelle. Wir nennen das "Management".

- URSPRÜNGE: Systemische Ansätze für ein Orgnisationsmodell findet man in verschiedenen Denkschulen, bei Vordenkern und auch bei Praktikern. Ich behaupte: Systemtheorie, Kybernetik, Deming und Toyota - die stehen für ein paar dieser Denkschulen. Es gibt noch mehr davon, sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft.

- PFUSCHER: NICHT-systemische Anästze gibt es noch viel mehr - und in allerhand Gewändern. Malik beispielsweise ist als Autor und "Vordenker" KEINESWEGS Kyberniker - er preist im ganz überwiegenden Teil seines Werks hochgradig mechanistische Ansätze und Instrumente (Herr Wahls - ebenfalls Associate in dieser community - sprach das kürzlich einmal in einer Nachricht an mich an). Malik ist vielmehr ein Kybernetik- und Drucker-Quacksalber. "Führen-leben-leisten", sein mit Abstand meistbeachtetes Werk, ist ein Paradebeispiel für mechanistisches Quacksalbertum (für jeden, der es sehen möchte). Malik ist vor allem insofern führend, als er der grösste Fake-Kybernetiker im deutschsprachigen Raum ist. Quelle tristesse! Auch Drucker ist leider ganz und gar nicht konsistent im Denken gewesen (Beispiel: sein fatales, mechanistisches "Management by Objectives").

- INSTRUMENTE: Balanced Scorecards sind niemals systemisch. Strategy Maps schon von der Anlage her nicht. Das ganze Denkmodell dahinter ist mechanistisch. Ebenso ist es mit den bekannten Toolsets wie EFQM und Lean, ganz krass ist es bei ISO und Prozessmanagement-Ansätzen. Wobei die Lean-Bewegung als Derivat des Toyota Production System natürlich systemische Wurzeln hat, aber den von Taiichi Ohno beschriebenen Kardinalfehler der "Kristallisierung" des systemischen Denkens begangen hat: Heute treten die rein mechanistischen Konzepte, die sich in Lean breit gemacht haben, sowohl in den Veröffentlichungen, als auch in den Vorträgen, als auch in den Beratungskonzepten der Lean-Experten, als auch in den Messgrössen und Kontrollmechanismen zutage. Das ist traurig, aber es hat auch keinen Sinn, sich etwas vorzumachen in Sachen Lean. Mehr zur Lean-Kritik bei John Seddon (Buch: "Freedom from Command and Control")

- UNTERSCHEIDUNG: Man kann also unterscheiden zwischen systemischen oder nicht-systemischen Tools, Modellen und Ansätzen, Case Studies und auch Vordenkern und Beratungsansätzen. Letztlich kann man das anhand der enthaltenen PRINZIPIEN, die jeweils zum Tragen kommen, unterscheiden. Hervorragend geeignet für diesen Lackmus-Test: Der Beta-Kodex.

- VERÄNDERUNG: Wenn man Unternehmen systemisch verändern will, dann sollte man sich fernhalten von menchistischen "Gurus", Tools, Methoden und mentalen Modellen. Ansonsten verstärkt man die vorhandenen Management-Probleme noch (hierzu kann man viel bei Deming nachlesen).

- VORDENKER UND -MACHER: Eine Übersicht über "systemische" Vordenker und auch Pionierorganisationen, die tatsächlich "systemisch-kybernetisch-humanistisch-aufgeklärt-demokratisch" führen, habe ich vor einiger Zeit mal zusammengestellt und ich erweitere diese Auflistung auch regelmässig. Eine recht aktuelle (natürlich aber nicht vollständige) Darstellung findet sich hier: www.betacodex.org/de/node/476 - und zwar im Slideshare-Fenster, auf den Seiten 32 und 33 der Power-Point-Präsentation, die man hier sehen kann. MALIK taucht hier natürlich aus guten Grunde NICHT auf! ;-)
Diese Datei kann man von der gleichen Webseite aus auch als pdf und ppt-Datei runterladen.

- GIBT ES GUT UND SCHLECHT? Viele Praktiker und Akademiker behaupten, die Beurteilung von Tools und Methoden im Management sei sehr diffizil und abhängig vom Kontext. Das ist - mit Verlaub - ziemlicher Qutasch. Es lässt sich durchaus recht leicht eine Aussage machen, was im 21. Jahrhundert BESSER oder SCHLECHTER ist, was funktionieren KANN und was nicht. Und zwar deshalb, weil die Märkte im 21. Jhdt. eindeutig DYNAMISCH und KOMPLEX sind. Alle. Diese Tatsache liefert uns ein knallhartes Beurteilungskriterium für Methoden, Tools und mentale Modelle. Das heisst nämlich, mechanistische Ansätze und Modelle scheitern prinzipiell - einfach weil sie nicht dynamikrobust sind. Zumindestens sobald sich in einem Markt dynamikrobustere Wetttbewerber aufstellen. Zweitens sind bestimmte Modelle und Konzepte auch deswegen heute anderen gegenüber überlegen, weil sie menschliches Potenzial nutzbar machen, oder auch nicht. Zur Unterscheidung zwischen Ansätzen mag man hierzu auf die "Theorie X und Theorie Y" von Douglas McGregor zurückgreifen, der unterschieden hat zwischen Menschenbildern, die in Organisationen, Tools, Prozessen und Denkmodellen auffindbar sind. Aus diesen beiden Gründen (Wie sind Märkte? Wie sind Menschen?) sind systemische Denkmodelle mechanistischen überlegen, in dem Sinne, dass sie zu überlegener Leistung im Wettbewerb führen.

- "Die Arbeit am umfassenden Managementsystem lohnt sich." schrieb kürzlich ein Kollege auf Xing. Man kann das auch umdrehen und sagen: Arbeit AM System (gemeint ist das Managementmodell) ist sinn-voll. Arbeit IM (mechanistischen) Managementmodell ist sinn-los. Und damit letztlich Kurpfuscherei, schädlich, verschwenderisch und der Natur des Menschen widersprechend.

Ich freue mich auf weitere Diskussion hier im Thread.
Neujahrsfrische Grüsse,
Niels Pfläging